Glukose, Multiple Sklerose, Kognition und Depression
- Yavor Yalachkov
- 17. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
🍭 Können Glukose und andere metabolische Veränderungen die Verbindung zwischen Entzündung und Neurodegeneration bei Multipler Sklerose (MS) vermitteln?
💪 Lilith Hauck, eine herausragende Neurologin und brillante Wissenschaftlerin, hat gemeinsam mit weiteren Mitgliedern meines Labors NRGY (Neuroimmunology Research Group / Yalachkov’s Lab) genau diese Frage in einer Studie untersucht, die kürzlich in Metabolic Brain Disease veröffentlicht wurde.
👀 Was macht diese Studie so besonders?
🔬 Wir haben n = 88 neu diagnostizierte, therapienaive MS-Patient:innen untersucht, sodass unsere Ergebnisse weder durch krankheitsmodifizierende Therapien noch durch eine lange Krankheitsdauer verzerrt sind. Alle Glukosemessungen wurden vor jeglicher Kortikosteroidbehandlung durchgeführt. Wir haben Glukose nicht nur im Serum, sondern auch im Liquor (CSF) gemessen und damit direkte Einblicke in ZNS-spezifische Prozesse gewonnen. Zusätzlich haben wir Laktat im Liquor sowie weitere klinische metabolische Parameter erfasst. Nicht zuletzt haben wir neben klassischen klinischen Endpunkten wie dem EDSS auch „unsichtbare Symptome“ wie Kognition, Depression und Fatigue berücksichtigt.
🧐 Welche Erkenntnisse liefert diese Studie?
📈 Die Glukosewerte im Liquor waren signifikant assoziiert mit
dem EDSS,
👩💻 der Kognition (SDMT) und
😔 der Depression (BDI),
selbst nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und den Liquor/Serum-Albuminquotienten.
🧠 Für Serumglukose konnten hingegen keine signifikanten Zusammenhänge mit klinischen Parametern gefunden werden, was darauf hindeutet, dass die beobachteten Effekte durch intrinsische Prozesse im ZNS getrieben sein könnten.
❓ Ob erhöhte Glukosewerte im Liquor bei Patient:innen mit höherem Behinderungsgrad, ausgeprägteren kognitiven Defiziten und stärkeren depressiven Symptomen einen kompensatorischen Mechanismus als Reaktion auf ZNS-Schädigung darstellen oder vielmehr ein Marker mitochondrialer Dysfunktion sind, die Neuroinflammation und Neurodegeneration weiter antreiben könnte, bleibt derzeit unklar.
↗️ Weitere Forschung – von der ein Teil bereits innerhalb von NRGY läuft – ist erforderlich, um die Rolle glukosebezogener metabolischer Prozesse bei MS weiter aufzuklären.
✅ Diese Prozesse könnten letztlich einen wichtigen Mechanismus darstellen, der die intrinsische Entzündung und Degeneration im ZNS beeinflusst.
🤝 Ein besonderer Dank gilt Lilith Hauck, die eine herausragende Klinikerin und Wissenschaftlerin ist und stets mindestens 150% gibt – getragen von einer beeindruckenden intrinsischen Motivation; sowie allen Mitgliedern von NRGY, die beispielhaft zeigen, dass die nächste Generation von Kliniker:innen und Wissenschaftler:innen aus großartigen Menschen besteht, die gemeinsam ihre Ziele erreichen: Vielen Dank an Carolin Franz, Dr. med. Kimberly Körbel, Dr. med. Michelle Maiworm, Valentin Krüger, Robin Zeltner, Antonia Hermanns, Clara Bänsch, Dr. med. Hendrik Becker und Dilara Dabanli für eure hervorragende Arbeit und dafür, dass ihr ein so wunderbares Team seid. Mein aufrichtiger Dank gilt auch PD Dr. med. Sharmili Edwin Thanarajah für die großartige Zusammenarbeit, Kollegialität und Freundschaft. Ihre Expertise und ihr Enthusiasmus haben maßgeblich dazu beigetragen, dass dieses spannende Projekt zu ZNS, Entzündung und Metabolismus aus einer kurzen Brainstorming-Session zwischen wissenschaftlichen Vorträgen auf einer Konferenz zu einer bedeutenden Publikation geworden ist!
Den Artikel finden Sie hier: https://rdcu.be/fdTps
